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Die Aspekte des Landschaftswandels

Globalisierung

Regionalisierung

Banalisierung

Individualisierung

Suburbanisierung

Soziale Segregation

Deindustrialisierung

Intensivierung
Aspekte des Landschaftswandels



Derzeit sind die Landschaften weltweit von einem rasanten Wandel geprägt.

Durch eine zunehmenden Verflechtung von Siedlung und Landschaft, der Steigerung der Produktivität durch Normierung, Industrialisierung und Rationalisierung kam es unter anderem zur Ausbildung neuer Lebensstile, zum Rückgang der Bedeutung der Landwirtschaft, aber auch zu einem Zuwachs der Bedeutung weicher Standortfaktoren. Die Landschaft befindet sich im Umbruch ebenso wie Gesellschaft und Wirtschaft.


Globalisierung

Der Begriff Globalisierung meint, dass alles mit allem zusammenhängt.
Wenn alles mit allem zusammenhängt, kommt es zu einem weltweiten Anstieg der Kommunikation und zu einer Zunahme der Verfügbarkeiten. Übergänge und Grenzen werden neu definiert und differenziert. Der verstärkte Austausch zwischen den verschiedenen Kulturen lässt neue Bezugshorizonte zwischen Orten und Regionen entstehen, so dass alte Beziehungen entweder ganz abgeschafft werden oder neue entstehen.
In Zeiten verstärkter Globalisierung schwanken Orte und Regionen zunehmend zwischen Variabilität und Beharrlichkeit beziehungsweise zwischen Ferne und Nähe. Globalisierung führt in jeglicher Hinsicht zu einer Neuorientierung.

Neuorientierung wird oft als Verlust oder Verschlechterung wahrgenommen, da es bedeutet, dass Altbewährtes sich verändert oder sich zu verändern droht.
Ebenso wird der Einfluss des mit der Globalisierung einhergehenden Mobilitätszuwachses als eine Verschlechterung vor allem für den öffentlichen Raum wahrgenommen.

Eine Stärkung des öffentlichen Raumes könnte Globalisierung und Mobilisierung entgegenwirken. Dabei ist aber zu bedenken, dass der öffentliche Raum, durch private Interessen vereinnahmt, als nutzungsoffener Aufenthalts- und Rückzugsort immer mehr verloren geht und sich stattdessen zu einer erweiterten Ladenfläche, die ausschließlich Konsumzwecken dient, entwickelt. Gegen diese Separation und Minderung öffentlicher Räume vorzugehen, ist unter anderem Aufgabe der Landschaftsarchitektur.


Regionalisierung

Regionalisierung versucht der Globalisierung entgegenzuwirken indem Orte und Regionen "mit ihrer spezifischen Ästhetik und ihren Wahrnehmungsangeboten [gegenüber der Globalisierung] für Abhilfe sorgen" (Brigitte Franzen, In: Garten + Landschaft 9/2004, S. 36f.). Einer zunehmenden Ortlosigkeit wird also mit einer Renaissance der Örtlichkeit begegnet.
Die Regionalisierung hat aber das Problem einer meist einseitigen und undifferenzierten Sicht, denn "die Basisthemen des Regionalismus, nämlich der Orts- und Traditionsbezug, [bergen] die Tendenz zu vereinfachen und zu radikalisieren." (Brigitte Franzen, Ebd.)

Fertighausproduzenten zum Beispiel "regionalisieren" die Globalisierung indem sie seit langem schon pseudo-originäre Varianten regionaler Identitäten in ihren Angebotskatalog übernommen haben, denn heutige "Häusle-Bauer" entscheiden sich immer wieder gerne für einen "regionalen Stil", der aber nur wenig oder gar nichts mit dem historisch Regionalen gemeinsam hat (Brigitte Franzen, Ebd.).
Es stellt sich in einer Regionalismus-Diskussion somit automatisch die Frage danach, was regionaltypisch ist.
Eine mögliche Antwort der Landschaftsarchitektur und Architektur daruf kann sein, den "Geist des Ortes" (genius loci) aufzugreifen oder in der Landwirtschaft und in handwerklichen Betrieben auf regionaltypische und ökologische Bau- und Produktionsweisen zurückzugreifen.


Banalisierung

Beide, die Globalisierung sowie auch die Regionalisierung, bergen die Gefahr der Banalisierung durch eine Gleichmacherei des öffentlichen Raumes durch seine Überfrachtung mit beliebigen und/oder regionaltypischen Zeichen und Symbolen - wie der Werbetafel oder dem Gartenzwerg.

Banalisierung bedeutet Vereinfachung, Gleichmacherei und Oberflächlichkeit.
Von Banalisierung zeugt zum Beispiel die Zunahme oberflächlicher Ästhetik in der Landschaftsarchitektur: Statt der körperlichen Erfahrung und ästhetischen Auseinandersetzung mit Orten und Räumen gewinnt die reine Bildbetrachtung an Bedeutung, was auch der steigende Einfluss von Layout, Design, Marken und Werbung belegt. Es geschieht eine Ästhetisierung von Bildern, aber man vergisst dabei, dass die Bildästhetik nicht die Qualität von Räumen bestimmt! (Sophie Wolfrum, Fachtagung: Perspektive Landschaft, 2004)

Udo Weilacher spricht gar von einer "Erosion des menschlichen Wahrnehmungsvermögens durch die Massenmedien", indem diese durch leicht verdauliche Information in niedrigen Dosen die Wahrnehmungsgewohnheiten dahingehend verändern, dass den Leuten das Dechiffrieren nur noch möglich ist, wenn es banal oder extrem symbolisch ist. (Udo Weilacher, Fachtagung: Perspektive Landschaft, 2004)
Deshalb sieht er die Gefahr, dass man in diesem Daten-Strom, in diesem Reizüberfluss, gezwungen ist, Stop-Zeichen zu setzen, um bemerkt zu werden.
Um um jeden Preis aufzufallen, kommt es zum Überfrachten des öffentlichen Raumes mit Bildern, Zeichen und Symbolen, was Banalität sowie den Verlust von Stille und Sensibilität bewirkt - es entsteht ein beliebiges "Hintergrundrauschen". Dieter Kienast spricht dabei in Bezug auf die Landschaftsarchitektur von einer "gestalterischen Geschwätzigkeit".
Landschaftsarchitektur ist also im Strom der Bilder angelangt und muss sich dort als ein kraftvolles Kommunikationsmittel positionieren.


Individualisierung

Individualisierung an sich ist nicht neu, neu daran ist heutzutage, dass es durch die Flexibilisierung von sozialen Beziehungen, durch das Auflösen von Hierarchien und traditionellen Gemeinschaften (Dorf, Nachbarschaft, Familie) zu einer gesamtgesellschaftlichen Individualisierung kam. Das bedeutet, dass die Biographie jedes Einzelnen nicht mehr aufgrund seiner Herkunft, seiner Schicht oder seiner Traditionen vorgegeben ist, sondern er individuell auf sein Leben Einfluss nehmen kann und muss - einschließlich all der Risiken, Chancen und Widersprüche. Heute entstehen die Biographien der Menschen durch Selbstreflexion. Sie sind nicht mehr fixiert. Sie stehen nicht mehr von Anfang an fest, sondern sie sind entscheidungsabhängig und somit die Aufgabe jedes Einzelnen selbst.

Im Hinblick auf die Folgen dieser Entwicklung für die Baukultur schreibt das Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen: "Aspekte des Erlebnisgewinns, des Konsums und der Freizeitgestaltung gewinnen an Bedeutung und bleiben nicht ohne Wirkung auf die Ausgestaltung der gebauten Umwelt, wie man an der Zunahme der Erlebnisparks, Urban Entertainment Center und Freizeitanlagen sehen kann."
Es werden auf die Landschaftsarchitektur zukünftig also verstärkt Planungsaufgaben im Bereich von Freizeitparks, Einkaufswelten, Erlebnispfaden und (Trend)Sportflächen zu kommen, deren Potentiale die Landschaftsarchitektur entdecken und hinterfragen muss.


Suburbanisierung

Der Begriff Suburbanisierung bezeichnet die massive Entstehung städtischer Strukturen außerhalb von Städten, am Stadtrand oder in der Peripherie.
Suburbanisierung bezeichnet somit die weiträumig am Stadtrand gebauten, teilweise überdimensionierten und unüberschaubaren Wohn- und Gewerbegebiete einschließlich der dazugehörigen Infrastrukturen, wie Straßen, Brücken, Stromleitungen und Bahnschienen.
Solch eine Flächeninanspruchnahme hat bei unkontrollierter Bautätigkeit meist die Zersiedlung von stadtnahen Landschaften zur Folge. Es kommt zu einer plötzlichen, immensen Überformung der Stadtränder sowie zum dortigen Verlust der Eigenarten und Orientierung.

Finanzschwächere können an dem Trend, in das eigene Haus außerhalb zu ziehen, nicht teilhaben, so dass es nicht nur zu einer funktionalen sondern auch zu einer sozialen Entmischung in der Stadt kommt.
Suburbanisierung führt neben den sozialen und ökonomischen Problemen auch zu einer ganzheitlich regionalen Beeinträchtigungen von Kulturlandschaften und der Landschaftsgestalt, zu einer Verringerung des Erholungs- und Freizeitwertes, sowie zu einem Verlust von hochwertigen landwirtschaftlichen Nutzflächen.

Der Prozess der Suburbanisierung hat in den letzten 40 Jahren die Siedlungs- und Verkehrsfläche in Deutschland fast verdoppelt, wobei die höchsten Zuwachsraten im Umland der Ballungsräume zu verzeichnen sind und sich die Nachfrage nach Bauland immer weiter in die Freiräume hinein verlagert.
Der Flächenverbrauch in Deutschland lag für das Jahr 2004 im Durchschnitt bei täglichen 129 Hektar, was rechnerisch 896 Quadratmetern pro Minute oder 373 Quadratmetern in 25 Sekunden entspricht. (www.forum-bodenschutz.de)
Zwar betrug im letzten Quartal des Jahres 2004 die Flächeninanspruchnahme nur 93 Hektar pro Tag, aber eine grundsätzliche Trendwende ist nicht in Sicht, denn dieser Rückgang des Flächenverbrauchs lag hauptsächlich an einer lahmenden Baukonjunktur und nicht an einer Trendwende in Politik und Stadtplanung.
Das Ziel der Bundesregierung ist es bis zum Jahr 2020 den Flächenverbrauch auf 30 Hektar pro Tag zu reduzieren. Man geht davon aus, dass die Flächeninanspruchnahme trotz rückgängiger Bevölkerungszahl weiter zunehmen wird, wenn nicht politisch und planerisch gegengesteuert wird.


Soziale Segregation

Immer mehr Menschen konnten und können sich ihre persönlichen Wohn- und Freizeitträume verwirklichen, aber bei diesem Wettlauf um Status und Anerkennung schaffen es sozial oder finanziell Schwächere nicht mitzuhalten. Sie werden früher oder später verdrängt oder ausgegrenzt.
Solch eine soziale Segregation zeigt sich extrem am Phänomen der Gettoisierung von Stadtteilen, aber auch etwas weniger dramatisch in der immer stärkeren Vereinnahmung öffentlicher Räume durch private Interessen.

Eine visuelle Aufteilung der Stadt beziehungsweise das "Unsichtbarmachen" eines Teils der Stadtbevölkerung muss verhindert werden, da es dazu führt, soziale und politische Probleme aus dem Bewusstsein zu verdrängen. Öffentliche Räume aber sind für alle da und besitzen daher für alle die Chance, neue Eindrücke und Erfahrungen machen zu können.


Deindustrialisierung

Nach der weltweiten Industrialisierung ab Mitte des 19. Jahrhunderts, kam es Ende des 20. Jahrhunderts durch anhaltende Produktivitätssteigerung, Rationalisierung und Technisierung, sowie durch die einsetzende Globalisierung zu einer Deindustrialisierung. Ehemals bedeutende Industriegebiete wurden nicht mehr benötigt. Sie wurden geschlossen und dann abgerissen oder sich selbst überlassen.
Einst florierenden Orte waren somit plötzlich geprägt von sozialen und ökonomischen Probleme, wie Arbeitslosigkeit, Wohnungsleerstand und der Verschuldung der Gemeinde. Als kurzfristiger Ausweg schien der Ausbau des Dienstleistungssektors geeignet zu sein, der aber keine dauerhaften Lösungen brachte.

Vor allem in Ostdeutschland führte die Deindustrialisierung zusammen mit der Suburbanisierung und dem anhaltenden Bevölkerungsrückgang zu großen ökonomischen, sozialen und städtebaulichen Problemen.

Strukturumbrüche der Industriegesellschaft wirkten sich also auch massiv auf das Stadtgefüge aus. Diesen Umbruch kann man aber auch als Chance sehen, indem man die Möglichkeiten begreift, die einem die Nachnutzung dieser großräumig frei gewordenen, stadtnahen Flächen bieten kann.


Intensivierung

Die derzeitige Intensivierung der Landschaft erfolgt einerseits durch eine immer intensivere Nutzung der Landschaft durch Bauwerke und andererseits durch eine intensiv betriebene Landwirtschaft. Wobei die Landwirtschaft in Europa gegenwärtig im Begriff der Extensivierung ist, sie also in ihrer Intensität eher nachlässt.

Diesem Rückgang der Landwirtschaft aufgrund gestiegener Produktivität und Verlagerung der Produktion in außereuropäische Länder steht jedoch die aktuelle Diskussion über die zukünftige Bedeutung einer "Energielandwirtschaft" gegenüber.
Öl und Kohle sind nur begrenzt vorhandene, also endliche Rohstoffe. Daher wird zunehmend auf die Gewinnung von Energie und Chemikalien durch nachwachsende Rohstoffe gesetzt. Um diese in ausreichenden Mengen produzieren zu können, werden große Produktionsflächen benötigt. Das würde keinen Rückzug der Landwirtschaft, sondern eher eine Umgestaltung der Landschaft durch eine neu orientierte Landwirtschaft bedeuten.
Wird es zu solch einer Intensivierung der Landschaft wirklich kommen!? Werden riesige Felder mit Raps, Mais, Klee und große Wälder mit Weiden, Pappeln und Fichten sowie weite Flächen mit Sonnenkollektoren und Windrädern die Landschaft der Zukunft bestimmen?
Wird ferner der Bau weiterer Autobahnen, Brücken, Gewerbegebiete, Wohnsiedlungen, Bioraffinerien, Flughäfen und Parkplätze die Landschaft von morgen mitgestalten? Wird die Stadt sich mit dem Land vereinen und zu einer weiträumigen, intensiv genutzten Stadt-Landschaft zusammenwachsen?

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