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Die Faktoren des Landschaftswandels

Demographische Faktoren

Soziale Faktoren

Politische Faktoren

Ökonomische Faktoren
Faktoren von Landschaft



Demographische Faktoren

Seit den 1980er Jahren schrumpft die Bevölkerung in Europa und in Teilen Nordamerikas. Bis heute hat sich die Lage nicht verbessert, so dass immer noch fast alle europäischen Regierungen damit zu kämpfen haben, was nicht nur massiven Einfluss auf den Staatshaushalt sondern auch auf die gebaute Umwelt hat.

In einer Veröffentlichung vom Jahr 2003 prognostizierte das Statistische Bundesamt in ihrer "mittleren Variante" für das Jahr 2050 für Deutschland folgende Zahlen:
  • Die Einwohnerzahl sinkt von heute 82,5 Millionen auf ca. 75 Millionen (mit Zuwanderung).
  • Die Lebenserwartung der Frauen steigt von 81 auf 88 Jahre, die der Männer von 75 auf 84 Jahre.
  • Die Geburtenrate bleibt niedrig bei durchschnittlich 1,4 Kindern pro Frau.
  • Nur ein Sechstel der Gesamtbevölkerung werden junge Menschen unter 20 Jahren sein.
  • Ein Drittel der Gesamtbevölkerung werden alte Menschen über 60 Jahren sein.
  • Die Hälfte der Bevölkerung wird über 48 Jahre alt sein.
  • Der sogenannte Altenquotient, der heute bei 44 liegt (d.h. 100 Menschen im Erwerbsalter (von 20 bis 59 Jahren) stehen 44 Personen im Rentenalter (ab 60 Jahren) gegenüber), wird 2050 auf 78 ansteigen.
Zuwanderung kann diese Trends nicht aufhalten sondern nur verringern, da die gestern und heute nicht geborenen Kinder morgen und übermorgen auch keine Kinder bekommen können.

In fast allen Industrienationen liegt die Geburtenziffer unter 2,0, was bedeutet, dass die Bevölkerungszahl zurückgeht. Damit die Bevölkerungszahl konstant bleibt, muss die Geburtenziffer genau 2,0 sein, denn zwei Menschen braucht es, damit ein neuer Mensch geboren wird, also müssen für eine konstante Bevölkerungszahl zwei Menschen wiederum zwei Menschen in die Welt setzen.

Für die Architekten und Planer bedeutet der Rückgang der Bevölkerungszahl, dass weniger Menschen auch weniger Fläche, weniger Gebäude und weniger Infrastrukturen benötigen.
In Zukunft wird somit seltener und wenn, dann spezieller (barrierefrei, altersgerecht) gebaut werden oder gar abgerissen werden müssen. Ein großräumiger Abriss ganzer Stadtteile und Städte aber bringt schwerwiegende Folgen mit sich: Die Eigentümer verlieren ihr Eigentum, Werte verschwinden, die Altschulden können nicht beglichen werden, der städtebauliche Zusammenhang geht verloren, Infrastrukturen funktionieren nicht mehr, soziale Netzwerke lösen sich auf und letztlich fehlt es der Kommune dann an Geld zum Investieren.
Es sollte auch eine Aufgabe der Landschaftsarchitektur sein, diese Abwärtsspirale gezielt durch neue Strategien und Lösungen zu unterbrechen, um lebenswerte Städte mit ihren Infrastrukturen, Netzwerken und Werten erhalten zu können.


Soziale Faktoren

Die gegenwärtige Gesellschaft ist geprägt von Individualisierung und Pluralisierung. Individualisierung an sich ist nicht neu, denn jeder Mensch ist ein Individuum mit individuellen Bedürfnissen, Sorgen und Ängsten. Neu an der aktuell zunehmenden Individualisierung ist ihre Tendenz zur Vergesellschaftung. Durch die Auflösung der ständischen Ordnungen in der modernen Gesellschaft kam es zu einem gesamtgesellschaftlichen Individualisierungsschub. Auf diesen Individualisierungsschub sind unter anderem die gestiegene Mobilität und die veränderten Freizeit- und Wohnansprüche zurückführbar.

Im Zusammenhang mit einem relativ hohen Lebensstandard und einer fehlgerichteten Subventionspolitik führte Individualisierung auch dazu, dass sich immer mehr Leute den Traum vom Haus draußen vor der Stadt erfüllten. Bald nach dem Bau dieser Eigenheime zog es Industrie und Gewerbe ebenfalls dorthin, wo ihre potentiellen Kunden bereits waren.
Die Suburbanisierung der Städtränder durch den Bau von Gewerbegebieten, Einkaufszentren und Autobahnen am Rande der Stadt führte zur Zersiedelung stadtnaher Landschaften und zum Verfall der Innenstädte sowie zu einer sozialen Segregation der Stadt bis hin zur Gettoisierung ganzer Stadtteile.


Politische Faktoren

Aufgrund des Wiederaufbaus und des gestiegenen Lebensstandard setzte nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ein immenser Bauboom ein. Vor allem in Nordamerika und in Westeuropa florierte die Wirtschaft, so dass dort die ersten weitläufigen Eigenheimsiedlungen, Einkaufszentren und Firmensitze am Rande der Stadt entstanden.
Jahrzehnte später und nach dem Fall der Mauer, ging diese Entwicklung in weiten Teilen der Erde weiter, sowie auch in Mittel- und Osteuropa. Dort war quasi über Nacht ein riesiger, neuer Markt mit neuen Kunden und neuen Baugebieten entstanden. Durch die Gunst der Stunde und auch durch die Förderpolitik der Regierungen subventioniert, wuchsen tagtäglich neue Baugebiete mitten auf der "grünen Wiese". Das Baugewerbe blühte, aber nicht ohne Folgen für die Stadt- und Landschaftsentwicklung, die vor allem im Osten Deutschlands die Gemeinden und Stadtplaner noch lange vor Probleme stellen wird.


Ökonomische Faktoren

Rationalisierung, Technisierung und Globalisierung führten in den letzten Jahrzehnten in allen Industriestaaten zu einer mehr oder minder starken Deindustrialisierung.
In Gebieten, die großräumig geprägt waren von Industrieansiedlungen, hatte dies verheerende Folgen: Durch die Schließung der Betriebe stieg die Arbeitslosigkeit stark an und mit ihr die witschaftlichen und sozialen Probleme.
Die geschlossenen Industriegebiete verfielen und die Arbeiterwohnsiedlungen wurden zu sozialen Brennpunkten. Als kurzfristiger Ausweg schien die Tertiärisierung, also der Ausbau von Dienstleistungsfirmen (zum Beispiel von Call-Centern) geeignet zu sein, aber dauerhafte Lösungen bracht dies nicht.

Neben der Schließung von Industrieansiedlungen und Firmensitzen und dem Verfall von Wohnsiedlungen kommt es aufgrund der schwachen Baukonjunktor zu einer Verschärfung der Konkurrenzsituation im Baugewerbe: Auf immer weniger Aufträge kommen immer mehr Planer und Ausführende. Vom Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen heißt es zudem, dass ohne eine wesentliche Verbesserung der Baukonjunktur eine Entspannung des Arbeitsmarktes nicht in Sicht ist. Zumal zu Beginn des Jahres 2001 in Deutschland ein Höchststand von 109.461 in den Kammern eingetragenen Architekten, Innenarchitekten, Landschaftsarchitekten und Stadtplaner erreicht wurde. Zugleich aber waren 8.000 Architekten, Landschaftsarchitekten, Innenarchitekten sowie Stadt- und Regionalplaner arbeitslos gemeldet, was auch einem Höchststand entsprach.
Benachbarte Disziplinen brechen daher in Domänen ein, die bisher die Landschaftsarchitektur inne hatte und umgekehrt sucht sich die Landschaftsarchitektur neue Aufgabenfelder in Bereichen benachbarter Professionen.
Hinzu kommt, dass im Rahmen der gesamteuropäischen Entwicklungen eine Aufweichung oder gar Abschaffung der HOAI vom Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit verfolgt wird, was ebenfalls nicht ohne Konsequenzen für die Landschaftsarchitektur bleiben wird.

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siehe auch:

www.destatis.de/ (Statistisches Bundesamt)



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