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Die Bedeutung der Landschaftsarchitektur

Soziale und ästhetische Bedeutung

Städtebauliche und architektonische Bedeutung

Ökologische und politische Bedeutung

Ökonomische Bedeutung

Zukünftige Bedeutung
Bedeutun der Landschaftsarchitektur



Die Bedeutung der Profession Landschaftsarchitektur liegt bei der Qualität ihrer Produkte und Strategien. Nahezu jeder nutzt die Produkte der Landschaftsarchitektur (Plätze, Parks, Gärten, Landschaften etc.), aber nur Wenige wissen, dass es sich dabei um, von einem bestimmten Berufszweig, gestaltete Anlagen handelt. Es ist die Ansicht verbreitet, dass diese Freiräume zufällig entstandene Orte, Restflächen oder "Natur" sind. Sobald eine bewusste Gestaltung eindeutig ersichtlich ist, meint man, dass die Flächen vom Hochbauarchitekten mit geplant worden oder das die Mitarbeiter vom Grünflächenamt oder von der ausführenden Baufirma gleichzeitig auch die Entwerfer sind.
Obwohl die Landschaftsarchitektur in letzter Zeit aufgrund veränderter Fragestellung in Stadt- und Landschaftsentwicklung merklich an Bedeutung zugewinnen konnte, wissen viele immer noch nicht so recht, was ein Landschaftsarchitekt eigentlich genau macht - nach dem Motto: Ein Architekt baut! Was macht eigentlich ein Landschaftsarchitekt?


Soziale und ästhetische Bedeutung

Die Produkte der Landschaftsarchitektur, also die Grün- und Freiräume, gelten besonders im urbanen Raum als wertvolle Rückzugsräume, als Orte der Kontemplation und der Geselligkeit. Jeden Bürger sind diese Räume zugänglich. Jeder kann sich dort ungeachtet seiner Ansichten und seiner Herkunft in frischer Luft und unter freiem Himmel erholen und entspannen. Das Grün ist für alle da.

Bereits im Jahr 1779 meinte Professor Hirschfeld aus Kiel, der als Vorkämpfer für den "natürlichen Gartenstil" der Romantik galt: "Es giebt wohl nicht leicht eine cultivierte Nation, die nicht einige Gärten zum Vergnügen angelegt haben sollte. Die Reizungen der schönen Natur haben eine fast allgemeine Wirkung. Religion und Nationalmeynungen schränken sie nicht ein. [...] Es ist die Macht des Gartenkünstlers, durch das Auge, durch das Ohr und durch den Geruch zu ergötzen." (C.C.H. Hirschfeld, Theorie der Gartenkunst, 1990, S. 11)

Grün- und Freiräume sind sinnliche Orte, die ästhetische Anforderungen erfüllen. Sie wollen die Sinne ansprechen: das Hören, das Sehen, das Riechen, das Schmecken, das Fühlen. Sie wollen gefallen und zum Verweilen und Besinnen einladen. Ebenso machen sie einem auch jahreszeitliche Abläufe, wie Vergänglichkeit und Unwiederbringlichkeit bewusst.
Diese, durch Grün- und Freiräume erfahrbaren, Sinneseindrücke, tragen vor allem in dicht besiedelten Gebieten zu einem besseren Wohlbefinden des Einzelnen bei. Landschaftliche Reize und frische Luft werten das Wohnumfeld auf und ermöglichen die Naherholung für die ortsansässige Bevölkerung. Als Teil der Kulturlandschaft bringen Grün- und Freiräume auch historische Zusammenhänge näher. Ebenso fördern sie, als neutrale Orte, die jedem zugänglich sind, die Kommunikation zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen: Skaten auf dem Markplatz, Schwatzen auf der Parkbank, Singen in der Fußgängerzone, Picknicken im Park, Drachensteigen auf der Wiese, Wandern im Wald...
Öffentliche Orte können die persönliche Entwicklung eines jeden Menschen beeinflussen.

Dank der Bedarfsermittlung von Grün- und Sportflächen ist heute nahezu jede Stadt oder Gemeinde ausreichenden mit dem Grundgenussmittel "Grün" versorgt. Bei dieser Versorgung der Einwohner mit Sportflächen, Parkanlagen, Kleingartenanlagen, Spielplätzen und Spielstraßen, zum Beispiel im Rahmen von Wohnumfeldverbesserung, Verkehrsberuhigung oder Stadtsanierung, spielt die soziale Bedeutung des "Grüns" eine wichtige Rolle.


Städtebauliche und architektonische Bedeutung

Grün- und Freiräume gliedern aufgrund ihrer Eigenart oder ihrer Schönheit den Stadtraum und dienen als Treff- und Orientierungspunkte.
Bisweilen sind sie es, die manchen Orten erst einen Namen und manchen Gebieten erst eine Identität geben: Gern trifft man sich der Klarheit halber am Marktplatz, am Sportplatz oder an der Haltestelle. Gern erklärt man der Einfachheit halber, dass man am Rathausplatz, am Stadtpark oder an der Luther-Eiche wohnt.

Vergleicht man die Komposition eines bebauten Raumes mit der Komposition eines Musikstückes, lässt sich sagen, dass, wie die Musik nicht nur aus Noten sondern auch aus Pausen besteht, die Stadt nicht nur aus Gebäuden sondern auch aus unbebautem Raum besteht. Somit ist der "richtige Raum" zwischen den Gebäuden genauso wichtig, wie die "richtigen Pausen" zwischen den Noten (Sophie Wolfrum, Fachtagung: Perspektive Landschaft, 2004).
Bereits 1948 betonte Fritz Schumacher, langjähriger Hamburger Oberbaudirektor, die Stellung der Freiflächen aus stadtplanerischer Sicht: "Ich stelle die Freiflächen voran, weil sie die in der städtebaulichen Arbeit in mancher Hinsicht schwierigsten und wichtigsten Aufgaben mit sich bringen. Bauflächen entstehen, auch wenn man sich nicht um sie kümmert; Freiflächen verschwinden, wenn man sich nicht um sie kümmert. Während es dem Außenstehenden oftmals so scheinen mag, als wäre städtebauliche Arbeit dafür da, Bauflächen zu schaffen, weiß der Fachmann, dass sie zuerst dafür da ist, Freiflächen zu erhalten" (Fritz Schumacher, 1948, zitiert In: Garten und Landschaft, 61/1951, S. 11).

Die Landschaftsarchitektur besitzt, verglichen mit der Hochbauarchitektur, den Vorteil, dass sie weniger exakt abgrenzbar ist. Die Produkte der Landschaftsarchitektur können überall dort sein, wo keine Gebäude sind. Zudem existieren sie nie allein oder isoliert: Die Bauwerke der Landschaftsarchitektur gehen immer in andere Räume über - sie sind allen zugänglich. "Dieses Potential von Zusammenhang, Verbindung und Transparenz ist das wichtigste Wesensmerkmal" von Landschaftsarchitektur. "Landschaftsarchitektur bietet die Chance, über die Grenzen des Ortes hinauszudenken." (Jürgen Weidinger, In: Vor der Tür., 1997, S. 76)


Ökologische und politische Bedeutung

Grün- und Freiräume sind nicht nur Rückzugsorte für den Menschen sondern auch für die Tiere und die Pflanzen. Im ยง 1 des Bundesnaturschutzgesetztes heißt es zu den Zielen des Naturschutzes und der Landschaftspflege: "Natur und Landschaft sind auf Grund ihres eigenen Wertes und als Lebensgrundlage des Menschen auch in Verantwortung für die künftigen Generationen im besiedelten und unbesiedelten Bereich so zu schützen, zu pflegen, zu entwickeln und, soweit erforderlich, wiederherzustellen, dass die Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Naturhaushalts, die Regenerationsfähigkeit und nachhaltige Nutzungsfähigkeit der Naturgüter, die Tier- und Pflanzenwelt einschließlich ihrer Lebensstätten und Lebensräume sowie die Vielfalt, Eigenart und Schönheit sowie der Erholungswert von Natur und Landschaft auf Dauer gesichert sind." (BNatSchG vom 25. März 2002)
Eine weitere Aufgabe der Landschaftsarchitektur ist es demnach, nachhaltig zu handeln, also soziale und ökologische Belange zu berücksichtigen.

Grünflächen fungieren nicht nur als Bestandteile von Ökosystemen, sondern sie haben auch großräumigeren Einfluss auf den Wasserhaushalt, die Bodenqualität und das Lokalklima - besonders in Städten: Bäume und Pflanzen verbessern zum Beispiel die Luftqualität indem sie die Luft filtern und Staub binden. Sie bewirken einen Temperaturausgleich indem sie Schatten spenden und die Luftfeuchte erhöhen.
Das Freihalten von Flächen von Bebauung durch das Ausweisen von Vorrangflächen für Natur und Landschaft oder für die Erholung dient nicht nur dem Schutz, der Pflege und der Entwicklung der dortigen Tier- und Pflanzenwelt, sondern auch dem Boden- und Gewässerschutz, sowie der Erholungsvorsorge und ganzheitlich dem Schutz, der Pflege und Entwicklung der Eigenart und Vielfalt von Natur und Landschaft.
Nur selten dienen Grün- und Freiräume als reine Flächenreserve für spätere Bebauung.


Ökonomische Bedeutung

Neben dem Schaffen materieller Werten durch das Planen und Bauen von Freiflächen und Grünanlagen, kommt es durch qualitätsvolle Landschaftsarchitektur auch zur Wertsteigerung angrenzender Gebiete. Grün- und Freiräume gelten als weiche Standortfaktoren, welche die Umgebung vor allem in ästhetischer und ökologischer Hinsicht aufwerten und die Attraktivität eines Gebietes, also auch den Lagewert bzw. den Immobilienpreis erhöhen: Wer wohnt nicht gerne in der Nähe eines Parks, eines Platzes oder eines Wäldchens? Wer hat nicht gerne Grün vor dem Fenster statt einer monotonen Häuserfront?

Zudem können Grün- und Freiräume auch als Produktionsfläche für die Land-, Forst- und Gartenbauwirtschaft sowie als Flächenreserve für zukünftige Bebauung dienen.

Das Baugewerbe, zu welchem auch die Landschaftsarchitektur gehört, leistet einen wichtigen Beitrag für die ökonomische Gesamtsituation eines Landes. Trotz einsetzender Baukrise im Jahr 2001 gab das Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen (BMVBW) folgende Zahlen für das Baugewerbe an: "Planen und Bauen haben für die Volkswirtschaft immer noch große Bedeutung: über 10% des Bruttoinlandprodukts entstehen im Bausektor, jeder 14. Erwerbstätige arbeitet dort [...]." Im Jahr 2004, arbeitet nach den Zahlen vom Statistischen Bundesamt nur noch jeder 17. im Baugewerbe und der Anteil des Baugewerbes an der Bruttowertschöpfung liegt bei knapp über 4%.


Zukünftige Bedeutung

"Von einer selbstbewussten Landschaftsarchitektur können Impulse für eine größere kulturelle Diskussion ausgehen." (Wolfram Höfer, In: Garten + Landschaft 05/2004, S. 17)

Gegenwärtig besteht für die Landschaftsarchitektur die Chance eines Bedeutungszuwachses. Die aktuellen Tendenzen in der Stadt- und Landschaftsentwicklung, ausgelöst durch demographische, soziale, politische und ökonomische Faktoren, erfordern mehr denn je neuen Lösungsansätze und Strategien, entwickelt von einer interdisziplinären und genreübergreifenden Profession, wie zum Beispiel der Landschaftsarchitektur. Für die Landschaftsarchitektur besteht die Möglichkeit sich neu zu profilieren, indem sie ihr Aufgabenspektrums erweitert und die Öffentlichkeitsarbeit verstärkt.

Fragen des Landschaftswandels, wie zum Beispiel die der Stadtschrumpfung, des Stadtwachstums und der Neuorganisation städtischer Räume könnten durch die Landschaftsarchitektur neu beantwortet werden. Speziell im Hinblick auf die Probleme peripherer Gebiete meint Thomas Sieverts zur Rolle der Landschaftsarchitektur: "Der Freiraum der Landschaft wird zu dem eigentlichen Gestaltungsfeld, das die Identität, die Eigenart der Zwischenstadt bewahren und herstellen muß, das Bauen kann in seiner festen Typologie hierzu nur begrenzt beitragen." Weiter schreibt er: "Eine genauere Analyse von vorhandenen Potentialen [...] würde in vielen stadtnahen Landschaften große Chancen für eine Landschaftsgestaltung aufdecken" (Thomas Sieverts, Zwischenstadt, 1998, S. 139, 146).

Auch im Stadtumbau ist die Landschaftsarchitektur mit neuen Leitbildern und eigenwilligen Lösungen gefragt. Im Gegensatz zur Architektur kann sie brachgefallenen Flächen wieder neues Leben durch einfach Umnutzung zum Beispiel zu einer Spielwiese, einem Sportfeld, einer Radrennstrecke, einem Waldpark einhauchen, anstatt spezialisierte und finanziell aufwendigere Neubauten zu entwerfen.

Besonders muss die Landschaftsarchitektur gegen die Tendenz der Degradation des öffentlichen Raumes vorgehen, indem sie sich in ihren Entwürfen für seinen Erhalt für alle Bevölkerungsschichten einsetzt. Wichtig ist dabei, dass der Bund und die Kommunen gleichbleibend in den öffentlichen Raum investieren, sowie den privaten Geldgeber ihre Verantwortung gegenüber der gesamten Öffentlichkeit bewusst gemacht wird.

Eine kontinuierliche und gezielte Öffentlichkeitsarbeit kann zukünftig dazu beitragen, von der Profession Landschaftsarchitektur ein schärfer umrissenes Bild nach Außen zu tragen und ihre zunehmende Bedeutung als eine selbstbewusste und eigenständige Disziplin innerhalb der Architektur und der Stadt- und Landschaftsplanung aufzudecken. Als eine Basis für rege Auseinandersetzungen zu den Inhalten und Aufgaben der Landschaftsarchitektur können sich somit, ähnlich wie bereist in der Architektur, Förderer und Freunde sowie auch Kritiker und Feinde im Rahmen öffentlicher Diskurse und in privaten Kreisen etablieren, Die Landschaftsarchitektur muss mehr zum Gegenstand allgemeiner Berichterstattung werden - sei es in der Boulevard- oder Fachpresse, in der Lokal- oder Tagespresse oder in Rundfunk und Fernsehen.

Zukünftig soll die Landschaftsarchitektur gemeinhin für qualitätvolles Bauen und Entwerfen im Freiraum stehen. Bekannt für und durch ihre Produkte, wird sie dann von einem breiterem Publikum gern und regelmäßig nachgefragt werden. Die Landschaftsarchitektur der Zukunft muss zweifelsohne als eine qualifizierte Dienstleistung geschätzt werden.

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siehe auch:

berufenet.arbeitsamt.de (Überblick über die Aufgaben und Tätigkeiten von Landschaftsarchitekten)




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