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Die Entwicklung der Landschaftsarchitektur

Erstes "städtisches" Grün

Barockes Grün

Romantisches Grün

Soziales Grün

Funktionales Grün

Ökologisches Grün

Zeitgemäßes Grün
Entwicklung der Landschaftsarchitektur



Grün- und Freiflächen entstanden im Zuge der Entwicklung der Sesshaftigkeit der Menschen. Sie begannen Orte zu gründen und Siedlungen zu bauen. Ein durchgängiges Element der Stadtstruktur wurden Strassen, Plätze und Promenaden, die zum Aufenthalt gedachten waren und ab dem 16. Jahrhundert auch bepflanzt wurden. Es entstanden private Gärten, die anfangs zu Versorgungszwecken angelegt, später im Barock als Repräsentationsobjekt und in der Romantik als Landschaftsinszenierung immer mehr Bedeutung erlangten.

Ende des 19. Jahrhunderts, als sich aufgrund der Industrialisierung die Städte immer weiter auszubreiten begannen, erkannt man die Notwendigkeit einer Grünflächenplanung. Die Landschaft rückte in immer größere Entfernung zur Stadt. Sie konnte nicht mehr jederzeit und mühelos erreicht werden, so dass der bisher ausschliesslich ästhetische Anspruch an Grün- und Freiflächen zunehmend kritisiert wurde und erste Volksgärten entstanden, die anfangs dennoch der Landschaftsparkidee folgten.
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurden sozialpolitische Aspekten immer bedeutender, so dass unter den Gesichtspunkten der Stadthygiene und Stadtgliederung differenzierter nutzbare Grün- und Freiflächen entstanden und es der Freiraumplanung gelang als ein wichtiger Bestandteil der Stadtentwicklungsplanung anerkannt zu werden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen neben der Gartengestaltung auch landschaftsschützende und später landschaftsplanerische Aspekte zur Landschaftsarchitektur hinzu. Es verhalf die "Öko-Welle" der 80iger Jahre der Landschaftsarchitektur zu einem neuen Glanz, welcher teilweise noch bis heute anhält.

Für die Entwicklung der Landschaftsarchitektur war und ist vor allem die Möglichkeit des Landschaftsempfindens prägend. Schon immer nehmen die Menschen Landschaft mehr oder weniger bewusst wahr, so dass es zu unterschiedlichen Arten der Sichtweisen und Zuwendungen zu der Landschaft und zu einer Einflussnahme auf die Werke der Landschaftsarchitektur kommt.


Erstes "städtisches" Grün

Von der Antike bis zum Barock herrschte eine klare Trennung von Stadt und Land, also auch von Kultur und Natur.
Gartenarchitektur fand als Kultivierungsprozess nur in und um Siedlung herum statt. Dabei überlagerten sich schon in den Anfängen der Gartenarchitektur zwei gegenläufige Sichtweisen auf die "Natur": eine nutzungs- und eine gefühlsbetonte, also einerseits der rationale Umgang mit Boden und Pflanzen und andererseits der emotionale und ästhetische.

Die Entstehung der Gartenarchitektur war hauptsächlich von der rationalen Sichtweise bestimmt. Die Anfänge der Kultivierung von Natur liegen in privat urbar gemachten Grundstücke, die ausschliesslich der Eigenversorgung dienten, wie zum Beispiel die Gärten von Bürgern vor der Stadt - Vorläufer des späteren Kleingartenwesens -, sowie Bauern- oder Klostergärten.

Die ersten öffentlichen Grünflächen entstanden in Europa im 13. Jahrhundert.
Das gemeine Volk ohne Grundbesitz nutzte damals zum Spazieren, Treffen und Ausruhen öffentliche "Volkswiesen" vor der Stadtmauer. Der Wiener Prater war beispielsweise so ein "pratum commune" (öffentliche Wiese) und geht wie die Nürnberger Hallerwiesen auch auf diese Zeit zurück. (Margita Marion Meyer, In: Gartenkunst in NRW, 2004, S.7)


Barockes Grün

Viel später erst, in der Renaissance und im Barock (1500 - 1770), wurden Gärten aus rein ästhetischen oder repräsentativen Gesichtspunkten angelegt.

In der Zeit des Barock kam es zu einer neuen Sicht auf die Natur, in der der Menschen die Natur einer Geometrie unterwarft und in Achsen aufteilte, um seine Überlegenheit zu demonstrieren. Die Macht des Besitzer sollte durch das Ausrichten des Gartens auf zentrale Punkte, wie das Schloss oder die Villa verdeutlicht werden.
Gärten wurden zu Luxusgütern, die Repräsentationszwecken dienten. Sie waren nicht für das Volk oder die Bürger und nicht zur Erholung, Entspannung oder Besinnung gedacht.

Im Barock wurde die Gartenkunst eine gleichberechtigte Kunstform neben all den anderen Künsten, so dass sie die Gestalt ganzer Städte dominieren konnte. (Margita Marion Meyer, Ebd.)


Romantisches Grün

In der Romantik (1780-1830) ändert sich die Rolle der Gartenarchitektur aufgrund der neuen romantisch-sinnlichen Orientierung grundlegend.
Die Natur wurde zum Symbol. Man sah die Umwelt als den Spiegel der Welt des Inneren an. Individuelle Naturerfahrung standen im Vordergrund. In den Parks und Gärten wurde die Landschaft, beziehungsweise die "Natur" durch die Reihung von Landschaftsbildern romantisch inszeniert. Dieses Schaffen sinnlicher Naturbilder in Spazierparks oder Landschaftsgärten, sollte der Erholung, Selbsterfahrung und Aufklärung der Bürger dienen. Die Landschaftsgärten, die in England außerhalb der Städte entstanden, waren nicht zum "Benutzen", sondern zum "Anschauen" da - Landschaftsbilder statt Landschaftserleben.
Die Landschaftsmalerei hatte, als wichtiges Genre der Romantik, ebenfalls großen Einfluss auf die damalige Landschaftsarchitektur, zumal in ihr ebenso Landschaft inszeniert wurde.

Die "Natur" und die "freie Landschaft" entwickelten sich als Sehnsuchtschiffren gegenüber einer aufkommenden Industrialisierung und Urbanisierung. Die heutigen theoretischen und praktischen Grundlagen der Landschaftsarchitektur liegen in diesen antiurbanen Tendenzen des späten 18., besonders aber des 19. Jahrhunderts (Stefan Tischer, In: Topos 47/2004, S. 14). Diese Zeit prägt also noch heute das ästhetische und räumliche Idealbild von europäischer Stadt und Landschaft.
In der Mitte des 19. Jahrhunderts, als in Deutschland bereits die Industrialisierung einzusetzen begann, wurde die romantische Idee der Landschaftsparks durch Idealisten wie Hermann Fürst von Pückler-Muskau und Peter Joseph Lenné weiter entwickelt und gepflegt.


Soziales Grün

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, am Ende des Kaiserreichs und in der Hochphase der Industrialisierung, sah man in Deutschland Grünplanung in der Stadt als öffentliche Aufgabe, so dass man sie in staatlichen Verwaltungen institutionalisierte. (Margita Marion Meyer, Ebd., S. 9)
Aufgrund des rasanten Wachstums der Städten hatte man die Notwendigkeit erkannt, Grünflächen weniger aus ästhetischen, denn aus hygienischen und städtebaulichen Gesichtspunkten anzulegen.

Nach 1900 kam es somit zur Volksparkbewegung und im Rahmen dieser zu einem regelrechten "Parkboom". Es entstanden Volksparks, Freibäder und später auch Kleingärtenanlagen. Sie alle dienten der Volksgesundheit und sollten für die Bürger einen Ausgleich zu dem beengten Wohnen und Arbeiten in der Stadt darstellen und die Bewegung im Freien, wie Gartenarbeit, Baden oder Turnen, fördern. Im Volkspark wurden die Flächen daher streng in die jeweiligen Nutzungsarten eingeteilt.

Die Landschaftsarchitektur erhielt damals eine vollkommen neue, soziale Orientierung, die infolge des stetigen Wachstum der Städte in Europa bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges anwuchs.


Funktionales Grün

Nach dem Zweiten Weltkrieg ermöglichten die Ruinenlandschaften einen städtebaulichen Neuanfang. Dabei gelang es der Landschaftsarchitektur als ein wichtiger Bestandteil der Stadtentwicklungsplanung anerkannt zu werden und sich mehr und mehr von der Gartenkunst zu emanzipieren: "vom Garten des Einzelnen zur Grünfläche der Gesellschaft" (Johann Köppel, Fachtagung: Perspektive Landschaft, 2004).
Parallel zu den Entwicklungen der Architektur kam es auch in der Landschaftsarchitektur zu einem neuem Selbstbewusstein und zu neuen futuristischen und abstrakten Entwürfen.
Leider gerieten aber zu Anfang der 70iger Jahre die unterschiedlichen Qualitäten von Grünflächen in Vergessenheit, so dass fast jede Grünanlage zu einem "Park" stilisiert wurde - egal ob tatsächlich Schlosspark oder Vorgarten oder grüner Mittelstreifen. Darunter fing die Qualität der Landschaftsarchitektur an zu leiden.


Ökologisches Grün

Im Kontext des gesellschaftlichen Umbruchs in den 70iger und 80iger Jahren und aufgrund des zunehmenden Verlusts an Grünflächen durch Überbauung fand eine neue "Besitzergreifung des Rasens" statt. Die starren Vorgaben von Nutzungen und die strenge Einteilung der Flächen im Sinne des Volksparks waren überholt. Statt dessen erfolgte eine selbständige Aneignung von Räumen, die individuell und verschieden nutzbar für Sport, Spiel, Erholung oder Veranstaltungen sein mussten.

Die darauf folgende politische Ökologiebewegung schuf neue landschaftsarchitektonische Aufgaben und Ansätze und verlieh diesen nach und nach Gesetzeskraft. Es entwickelte sich ein gesamtgesellschaftliche Umweltbewusstsein, so dass die Landschaftsarchitektur neben der sozialen Orientierung auch eine ökologische erhielt.
Auf dieser Entwicklungsphase basiert teilweise heute noch die Anerkennung und Bedeutung der Landschaftsarchitektur.


Zeitgemäßes Grün

Grün- und Freiflächen haben sich fest im Bewusstein der Menschen etabliert, sie prägen unter anderem die kulturelle Identität und Lebensqualität von Gesellschaften.
Momentan dominieren in der Landschaftsarchitektur nutzungsoffene und flexible Freiräume, die auf die Bedürfnisse und die Geschichte des Ortes einzugehen versuchen.
Die Gestaltung von Grün- und Freiflächen ist heute ein Zusammenspiel spezifisch-zeitgemäßens Entwerfens (Moden, Stile...) mit den jeweiligen Anforderungen der Nutzer, Anwohner, Passanten (ST raum a, In: Vor der Tür, 1997. S. 68).

Die gegenwärtig vorherrschende Ästhetisierung der Lebenswelten, führt auch in der Landschaftsarchitektur zu mehr Lust am Design und am Detail.
Die Gefahr dabei ist aber, dass, wenn sich die Landschaftsarchitektur nur einseitig ästhetisch orientiert, sie von Moden bestimmt wird. Dadurch droht sie, ungeachtet der weiterhin an die Profession bestehenden sozialen und ökologischen Anforderungen, reine hedonistische Züge anzunehmen.

Folgende gestalterischen Grundzüge sind nach Stefan Bernard und Phillip Sattler seit ein paar Jahren in der Landschaftsarchitektur auszumachen:

  • geometrische Formen und Orthogonalität als Chance für Abstraktion und Prägnanz
  • überwiegendes Verwenden von mineralischen Materialien, vor allem Beton
  • Verwendung der Pflanzen als Interpretation oder Zitat
  • Gezieltes Setzten und / oder Inszenieren von Bäumen und Sträuchern als Raum- und Strukturelemente
  • beim Einsatz von Blütenpflanzen steht nicht nur ökologische Vielfalt sondern eher auch deren Farb- und Struktureffekte im Vordergrund
  • große Bandbreite an verschiedenen Formensprachen

Das Dilemma zeitgemäßer Landschaftsarchitektur ist, dass die zukünftig einflussnehmenden Parameter kaum bekannt sind. Daher ist es unbedingt erforderlich, nutzungsoffene und flexible Räume zu entwerfen. Das fehlende Festlegen auf spezielle Inhalte und Formen kann aber auch dazu führen, dass Intention und Potential des Entwurfs wenig ersichtlich wird. Das Ziel muss also sein, eine Balance zwischen Entschlossenheit und Freiheit, zwischen Ordnung und Chaos zu finden.

Gegenwärtig ist eine stärkere Besinnung auf die Landschaft auszumachen. Man möchte Landschaft aufgrund der zunehmenden Veränderungen wieder bewusst steuern und gestalten, möglichst unter der Verwendung ihren eigenen Mittel und Methoden. Das meint, dass bei der Gestaltung von Landschaften gezielt auf deren Entstehung und Geschichte eingegangen wird: Umnutzung statt Neubau oder Sukzession statt Pflege. Auch wird versucht auf bereits vorhandene oder bekannte Formen und Dimensionen, wie Dämme und Dünen oder Wälder und Wiesen, zurückzugreifen und diese in ungewohnte oder neue Zusammenhänge zu bringen.

Jürgen Weidinger benennt als aktuelle Sichtweisen der Landschaftsarchitektur, dass in der Stadt der Freiraum als das Abbild von Individualität gilt, in der Peripherie, dem Übergang von Stadt und Land, die Landschaftsarchitektur dagegen die Stadt oder die Landschaft weiter baut und auf dem Land die Landschaftsarchitektur versucht die Landschaft zusteuern.

Landschaftsarchitektur kann somit auch als ein "Weiterbau der Stadt" (Jürgen Weidinger, Fachtagung: Perspektive Landschaft, 2004) gelten. Zum Beispiel bei Entwürfen zu Industriefolgelandschaften und schrumpfenden Städten: "Die Parks des 21. Jahrhunderts liegen auf den industriellen Brachflächen, wie der Parc de La Vilette [...], der Landschaftspark Duisburg Nord [...] oder der Naturpark Südgelände in Berlin [...]. Aber auch die historischen Gärten und Parks werden, nicht zuletzt als touristische Attraktionen, derzeit wieder wichtiger. Es ist wohl nicht übertreiben von einer Renaissance der Gartenkunst und Landschaftskultur in den letzten zwanzig Jahren zu sprechen. Ob dieser Trend langfristig die städtischen Lebensformen verändert, ob er den Strukturwandel der Stadt nachhaltig prägt oder punktueller Ausdruck einer rückwärtsgewandten Natursehnsucht des Städters bleibt, wird die Zukunft zeigen." (Margita Marion Meyer, In: Gartenkunst in NRW, 2004, S. 11) Immer noch ist Landschaftsarchitektur auf der Suche nach einer einheitlichen wissenschaftlichen Basis oder eines ganzheitlichen theoretischen Hintergrunds.

Thies Schröder gibt zu bedenken, dass die Landschaftsarchitektur nur vermeintlich auf dem Wissen großer Zusammenhänge basiert. Sondern es ganz einfach auch darum geht, nicht den Naturverweis zu negieren und nicht allein die Freiheit der Kunst zu betonen, da sich die Landschaftsarchitektur somit ihrer ursprünglichen Bedeutung, nämlich der Hinterfragung des Mensch-Natur-Verhältnisses, entledigt und nur "ein eklektizistisches, modisches und meist wenig kraftvolles Sammelsurium von Assoziationen [bleibt], statt ‘Landschaft‘ in ihrer Mehrdeutigkeit entsteht Förmchenspielerei." (Thies Schröder, In: Vor der Tür, 1997, S. 37)
Eine Funktionalisierung und Technokratisierung der Landschaftsarchitektur unternimmt den Versuch die Landschaftsarchitektur zu verwissenschaftlichen und zwischen der Tendenz der Naturalisierung (Ökologisierung) und der der Ästhetisierung zu vermitteln. "Richtwerte und Grünflächenanteilsverordnungen sollen fassbar machen, was an diffusen Besetzungen der Idee der Landschaft zugleich Horizonte öffnet, damit aber auch potentiell verschwindet. [...] Landschaft und Natur wurden Gesetz. Nun kann man Landschaft selbstverständlich funktionalisieren und analysieren, allerdings nur um den Preis ihrer Reduzierung, ihres Auseinanderfallens in Funktionen und Prozesse, um den Preis also, sie als Landschaft aus dem Blick - besser aus dem Bild - zu verlieren." (Thies Schröder, Ebd.)

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